Plötzlich zieht es Dir den Boden unter den Füßen weg. Etwas ist nicht mehr wie zuvor. Du weißt nicht mehr weiter, kannst es gar nicht begreifen. Was tun? Wie soll es weitergehen? Doch dann hörst Du von Selbsthilfe, von Menschen, denen es ähnlich geht wie Dir und Du weißt, da bist du nicht allein, da bist Du richtig.

 

Genau das ist es, was unsere Selbsthilfekontaktstellen in Brandenburg tagtäglich leisten. Sie sind die ersten Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger, bieten niedrigschwellige Beratung und verhindern nicht zuletzt mit ihren Angeboten auch Vereinsamung und damit verbundene Folgeerkrankungen. Ob psychische Beeinträchtigungen, Suchtprobleme, chronische Erkrankungen, ob Betroffene oder Angehörige – hierher können die Menschen kommen, einfach und unkompliziert. Sie werden gehört, fachkundig beraten und lernen in der Gemeinschaft, den nächsten Schritt zu gehen. Selbsthilfekontaktstellen sind wertvoll für ihre Regionen. Sie vernetzen die lokalen Akteure und bieten mit kompetentem Fachpersonal einen echten Mehrwert.

 

Was nun, wenn einer Selbsthilfekontaktstelle plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Die kurz vor der Sommerpause vollkommen überraschend vorgestellten Einsparpläne der Potsdamer Stadtverwaltung erschüttern gerade die Landeshauptstadt.

 

Ohne kommunale Förderung brechen alle Selbsthilfe-Angebote der Kontaktstelle in Potsdam weg. Für das ganze Land Brandenburg wäre das ein fatales politisches Signal. Das muss verhindert werden!“, sagt Angelika Koal, Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft für Selbsthilfekontaktstellen Brandenburg e. V.

 

Das SEKIZ ist die zentrale Anlaufstelle für Selbsthilfe, Begegnung und Ehrenamt in Potsdam. Eine über die Jahre gewachsene Infrastruktur sorgt unter anderem auch dafür, dass Pflichtaufgaben der Landeshauptstadt erfüllt werden. Seit mehr als 30 Jahren leisten die Mitarbeitenden im SEKIZ zuverlässige und wertvolle Arbeit für unsere Gesellschaft. Noch in der Corona-Krise wurden die Angebote der Selbsthilfekontaktstellen als systemrelevant eingestuft. Nun plötzlich soll der Geldhahn zugedreht werden? In Zeiten steigender Zahlen von Betroffenen mit Sucht- und psychischen Erkrankungen ist dies das falsche Signal. Die Einsparpläne treffen die Hilfsbedürftigen unserer Gesellschaft – doch gerade hier darf nicht gespart werden. Vielmehr sollten diese Angebote nachhaltig erhalten und unterstützt werden.

 

Die Landesarbeitsgemeinschaft für Selbsthilfekontaktstellen Brandenburg e. V. geht in ihren Forderungen sogar noch einen Schritt weiter. Seit Jahren setzt sie sich dafür ein, die Finanzierung der Selbsthilfe zur Pflichtaufgabe zu machen und diese institutionell zu fördern. So soll für die Selbsthilfekontaktstellen, die momentan von Jahr zu Jahr um ihren Fortbestand bangen müssen, eine langfristig gesicherte Planung ermöglicht werden.

 

Selbsthilfe braucht kommunale Förderung. Doch mehr noch braucht unsere Gesellschaft die Angebote der Selbsthilfe.

 

Deshalb sprechen wir als Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfekontaktstellen Brandenburg e. V. dem SEKIZ in Potsdam ganz klar unsere Solidarität aus und setzen uns dafür ein, die geplanten Kürzungen zu verhindern.